Von Alexander Nottbeck (Brandreferendar Berliner Feuerwehr)

Als Brandreferendar absolviert man als ersten großen Ausbildungsabschnitt die feuerwehrtechnische Grundausbildung. Einige Dienststellen bilden die Referendare im eigenen Hause aus, andere schicken sie auf eine externe Ausbildung.

Nach der Einführungswoche am IdF in Münster startete dieser erste große Schritt in die Feuerwehrlaufbahn für mich also in Bocholt, schon fast traditionell zusammen mit je einem Kameraden der Landesfeuerwehrschule Sachsen und dem IdF in Münster. Bereits im vorherigen Jahrgang waren je ein Brandreferendar aus Berlin, von der LFS Sachsen und dem IdF in Münster zur Grundausbildung in Bocholt.

Wie ist das, als Brandreferendar an einem Grundlehrgang teilzunehmen? Gibt es Berührungsängste von Seiten der Kameradinnen und Kameraden, von Seiten der Ausbilder?

Nach einer persönlichen Begrüßung und Vorstellung des Standortes Bocholt durch den Leiter der Feuerwehr, Branddirektor Thomas Deckers, stand man dann also im Klassenraum inmitten der Wegbegleiter für die nächsten sechs Monate.

Die Berührungsängste waren schnell verflogen, die Integration in die Gruppe funktionierte absolut problemlos, als wären wir schon immer dabei gewesen. Die Ausbildung begann mit den Grundtätigkeiten des Feuerwehrhandwerks. Jeden Tag kommen neue Inhalte dazu, werden Abläufe durch Wiederholungen gefestigt. Ein stetiger Wechsel von theoretischen Ausbildungsblöcken, Dienstsport und praktischer Ausbildung lässt die Tage wie im Flug vergehen.

Die Ausbildung wird in Bocholt an der FRB (Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie Bocholt) durchgeführt. Neben dem Grundausbildungslehrgang (B1) werden aktuell hauptsächlich Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter ausgebildet.

Bedingt durch die Größe der Schule und der Feuerwehr besteht eine sehr enge Anbindung der Ausbildung an die Einsatzabteilung und die Tätigkeiten im Wachbetrieb. Die Wege, auch in die Fachabteilungen und die Verwaltung sind sehr kurz, die jeweiligen Ansprechpartner schnell erreichbar. Neben der eigentlichen Ausbildung sind so regelmäßige Einblicke in den Wachalltag einerseits, als auch in die Arbeit und Aufgaben der Fachabteilungen möglich, was speziell für uns als Brandreferendare wertvolle Erfahrungen sind. Durch engen Kontakt mit der Amtsleitung über die Ausbildung hinaus, ergibt sich quasi ein Rundblick auf das gesamte Aufgabenspektrum einer Feuerwehr, von Einsatzabwicklung, Vorbeugendem Brandschutz, Verwaltung, Personalmanagement, Aus- und Fortbildung und allen weiteren Feldern, die zum Führen einer funktionierenden Feuerwehr notwendig sind. Schon im ersten Ausbildungsabschnitt können wir so viele interessante und hilfreiche Details aus allen Aufgabenfeldern mitnehmen. Dies ist sicherlich in diesem Maße nur an einem Standort wie Bocholt möglich.

Eine weitere Besonderheit des Standorts Bocholt ist die Nähe zur niederländischen Grenze. Auf allen Ebenen findet ein reger Austausch mit den Kameradinnen und Kameraden der Brandweer statt. Bei einem Besuch in der Regionalleitstelle in Apeldoorn und zur Brandweer nach Doetinchem wurden sehr eindrucksvoll die Gemeinsamkeiten einerseits, aber auch die Unterschiede in der Struktur der Gefahrenabwehr, der Einsatztaktik und der Organisation großer Einsatzlagen deutlich. Die Zusammenarbeit und die Kameradschaft über die Grenzen hinweg sind in Zeiten von Kritik an der europäischen Idee ein leuchtendes Beispiel für die Umsetzung von nachbarschaftlicher Kooperation.

Für die tollen Einblicke, die offene Gestaltung der Ausbildung und die offene Kommunikation an dieser Stelle auch einmal ein herzliches Dankeschön!

Mittlerweile ist die Hälfte der feuerwehrtechnischen Grundausbildung absolviert, Sprechfunkausbildung, Atemschutzausbildung und Maschinistenausbildung sind bestanden. In den nächsten Monaten liegen noch spannenden Themen wie Absturzsicherung, Technische Hilfeleistung, ABC-Ausbildung, ein Realbrandtraining und nicht zuletzt die Ausbildung zum Rettungssanitäter (Theorieteil) vor uns. Parallel dazu sammeln wir Erfahrungen in den Wachabteilungen und durch den regelmäßigen Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen.

Ein paar Zahlen zum Vergleich Berlin – Bocholt:

3.650.000 zu 73.000: Einwohner
35 zu 2: Feuer- und Rettungswachen
1 zu 1: Feuerwehr- und Rettungsdienstschulen