Am 07. April 2020 sollte für mich der Grundausbildungslehrgang bei der Berufsfeuerwehr Düsseldorf beginnen. Doch aufgrund der im März aufgetretenen Pandemie war ein normaler Lehrgangsstart so nicht möglich. Schnell hat die Feuerwehr Düsseldorf reagiert und anteilig den Sommerurlaub der Brandmeisteranwärter*innen zum 01. April vorgezogen, sodass die Situation sich zunächst beruhigen konnte. Die kommenden drei Wochen, von denen ich in der ersten Woche noch an der Online Einführungsveranstaltung des IdF teilgenommen habe, wurden dazu genutzt, in Windeseile ein neues Lehrgangskonzept zu erarbeiten. Durch eine Gefährdungsbeurteilung mit Handlungsempfehlungen und viel Engagement seitens der Dozenten konnte der Lehrgangsbetrieb nach dem Urlaub zum 21. April aufgenommen werden. Während der Einführungsveranstaltung wurden allen Lehrgangsteilnehmern die Rahmenbedingungen vermittelt und eine Hygieneeinweisung an die Hand gegeben, um in Zeiten von Corona das Infektionsrisiko zu minimieren. Das richtige Händewaschen und desinfizieren wurde einmal gemeinschaftlich durchgeführt und mit einem Schmunzeln gut aufgenommen.

Die Theorie wurde zunächst ausschließlich über Onlineunterrichte und eine Lernplattform unter anderem zum Datenaustausch sichergestellt. Die aufbereiteten Dokumente und Lehrunterlagen wurden hochgeladen und durch interaktiven Liveunterricht vervollständigt. Präsentationen wurden seitens der Teilnehmer gehalten, Lernerfolgskontrollen und Aufgaben konnten auf der Plattform umfangreich bearbeitet, beantwortet und mit Zusatzmaterial vertieft werden. Der rege Austausch zwischen den Dozenten und den Teilnehmern förderte die gute Zusammenarbeit und ein sehr angenehmes Arbeitsklima. Für uns als Lehrgang wurde zusätzlich ein digitaler „Pausenraum” eingerichtet, in dem wir uns online über Chat und Video austauschen konnten. So hatten wir zunächst die Möglichkeit, uns alle schon etwas kennen zu lernen. Es gab sogar eine inoffizielle, interne Vorstellungsrunde. Als der Praxisunterricht begann, war jedem von uns klar, dass der Ablauf anders sein wird, als in den bisherigen Lehrgängen. Es gab von Anfang an klare Regeln, an die sich die Teilnehmer die ganze Präsenzzeit über zu halten haben. Wir wurden unter Anderem in zwei Gruppen mit jeweils zwei Teams eingeteilt, um die nötigen Sicherheitsabstände einhalten und notfalls eine vorhandene Infektion auf Kleingruppen beschränken zu können. Der Kontakt zur Feuer- und Rettungswache 6, welche ebenfalls auf dem Gelände der Feuerwehrschule in Düsseldorf Garath liegt, wurde untersagt, um eine mögliche Ausbreitung des Virus bei Infektion eines Teilnehmers zu verhindern. Um die Einhaltung der Regeln zu vereinfachen, wurden Flure und Unterrichtsräume mit geklebten Linien farblich gekennzeichnet. In Kleingruppen ist es einfacher, den Mindestabstand von 1,50 m einzuhalten, und sollte der Abstand aufgrund von gemeinsamen Übungen unvermeidlich unterschritten werden, wird Mund Nasen-Schutz getragen und die Visiere heruntergeklappt. Die Kleingruppen erhöhten den logistischen Aufwand für die Dozenten zwar immens, aber trotz alledem ging der Humor nicht verloren. Kontaktflächen und Geräte werden nach jedem Gebrauch gereinigt und Fahrzeuge nur mit Einmalhandschuhen bewegt. Nachdem der Ablauf einmal saß, hat es der Gruppendynamik keinesfalls geschadet. Irgendwie hat gerade Corona dafür gesorgt, dass wir als Lehrgang eng zusammen gewachsen sind; vermutlich, da wir uns alle in derselben Situation befinden.

Durch den verzögerten Start hatte ich die Möglichkeit, als Brandreferendarin einen Einblick in den Schulbetrieb seitens der Dozenten zu bekommen und konnte ebenfalls von Anfang an im B1 mit dabei sein. Hierbei habe ich festgestellt, dass so ein Lehrgang mit 27 Brandmeisteranwärter*innen, zwei Brandoberinspektoranwärtern und einer Brandreferendarin doch einen großen Verwaltungsaufwand darstellt und bei zusätzlichem Mindestabstand auch schonmal die Lehrsäle an ihre Kapazitätsgrenze bringen kann. Doch bis jetzt wurden immer schnell und effektiv Lösungen gefunden und erarbeitet. Es hat sich erneut gezeigt, dass die Feuerwehr ein flexibles und zielorientiertes Arbeiten beherrscht und mit neuen, unerwarteten Situationen fertig wird. Sport war aus Infektionsschutzgründen anfangs leider nicht möglich. Die Sportausbilder haben sich an dieser Stelle überdurchschnittlich engagiert und Videos hochgeladen, in denen sie sich als Team vorgestellt haben. Die von ihnen selbst erstellten Trainingsvideos und -pläne konnten auf der Lernplattform angesehen werden, damit wir die Möglichkeit bekamen, zuhause Sport zu treiben. Unter Anderem wurden die Laufzeiten auf der Onlineplattform hochgeladen, was natürlich den ganzen Lehrgang angespornt hat, fleißig zu trainieren.

Seit drei Wochen ist nun auch gemeinsam Sport an der frischen Luft möglich und man merkt, dass der gesamte Lehrgang Spaß hat, zusammen Sport zu treiben. Dass jetzt auch mit dem Schwimmunterricht begonnen wurde, hat den B1 abgerundet. Für mich persönlich hat das SARS-CoV-2 Virus zwar für einen holprigen Start gesorgt, aber auch wieder einmal hervorgebracht, dass man mit Zusammenhalt in der Lage ist, gute Ergebnisse zu erzielen. Unserer Gruppendynamik hat es jedenfalls nicht geschadet. Seitdem die ersten Lockerungen eingetreten sind, darf ich parallel auf der Feuer- und Rettungswache 1 an der Hüttenstraße im Einsatzdienst mitfahren und hoffe auf viele spannende Einsätze. Ich freue mich auf die kommenden Wochen und genieße die restliche Zeit im Grundausbildungslehrgang an der FWS Düsseldorf.

Sandra Deborah Heepen – BRef 2020
Brandreferendarin der Berufsfeuerwehr Düsseldorf