Nach zwei Monaten intensivem Training und den darauffolgenden Klausuren in Münster ging es für uns Brandreferendarinnen und Brandreferendare (BRefs) gut vorbereitet in den Praxisabschnitt. Dafür verteilten sich die BRefs auf viele verschiedene Feuerwehren in ganz Deutschland. Im Abschnitt von Dezember 2020 bis Februar 2021 lag der Schwerpunkt auf der praktischen Ausführung des erlernten Wissens. In diesem Zeitraum wurden wir bei echten Einsätzen als Staffel- und Zugführerinnen bzw. -führer eingesetzt.

Für uns fünf BRefs der Berliner Feuerwehr sowie für jeweils einen Brandreferendar der Feuerwehr Hamburg und der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg ging es nach Berlin. Hauptsächlich als Staffelführerin oder Staffelführer auf einem LHF (Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug) eingesetzt, wurden wir auf verschiedene Wachen im Stadtgebiet verteilt. Im Schichtsystem einer Wachabteilungen konnten wir den Wachalltag kennenlernen. Dort haben wir die Aufgaben der Wachabteilungsleitung übernommen: Stärkemeldung, Diensteinteilung, Wachbesetzung und die tägliche Meldung der COVID-19 Infektionszahlen. Neben den administrativen Aufgaben ging es zwischendurch immer wieder auf Einsätze ins winterliche Berlin. Neben Türöffnungen, Brandmeldeanlagen, Gasgerüchen, First Responder Einsätzen, kleineren Verkehrsunfällen und Wasserschäden gab es auch kleine und große Brände. Auf dem LHF war trotz des Lockdowns immer etwas los – allerdings „viel weniger als sonst” wurde uns versichert.

Nach einigen Schichten auf dem LHF durften wir auch erste Luft als Einsatzleitende auf dem C-Dienst schnuppern. Zuerst als Hospitantin oder Hospitant, dann auch in Funktion, leiteten wir verschiedene Einsätze im ganzen Stadtgebiet. Immer dabei: eine erfahrenere Kollegin oder ein erfahrener Kollege, die bzw. der uns über die Schulter schaut, wertvolle Tipps und Anmerkungen gab oder uns Berliner Eigenheiten (z.B. andere Bezeichnungen oder das Berliner Funkkonzept) beibrachte. So auch zum Jahreswechsel, der dieses Jahr zwar hinsichtlich der Einsatzzahlen ruhiger, aber nicht weniger ereignisreich war.

 

Neben den eingeteilten Schichten, bestand zudem immer die Möglichkeit, freiwillig bei interessanten Einsätzen zu hospitieren. Dafür wurden allen BRefs digitale Meldeempfänger zur Verfügung gestellt. Für einige, die nicht in Berlin wohnen, wurde eine Unterkunft (unsere BRef-WG) sowie ein Fahrzeug (liebevoll auch BRef-ELW genannt) zur Verfügung gestellt. Somit war es möglich, sich bei spannenden und außergewöhnlichen Einsätzen ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und mit der Einsatzleitung oder dem Pressedienst die Strukturen, Besonderheiten und Absichten in dem Einsatz zu besprechen.

Durch die Hospitationen und den Einsatzdienst konnten wir BRefs diverse spannende größere Einsatzstellen beobachten oder Leitungsfunktionen übernehmen. Mit dabei waren Wohnungsbrände, Dachstuhlbrände, mehrere Kellerbrände, Verkehrsunfälle, eine eingestürzte Decke, Gefahrenlagen der Polizei, Wasserrettung, ein Lagerhallenbrand mit CBRN-Gefahren und auch ein Wasserstoffaustritt, bei dem mit Explosionsgefahr zu rechnen war. Diese Vielzahl an verschiedenen Einsätzen kann man nur in einer Stadt wie Berlin erleben.

Wie auch in den Abschnitten im vergangenen Jahr, konnte dieser Abschnitt nur unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes durchgeführt werden. FFP2-Maske auf der Wache und bei Einsätzen war Pflicht. Auch das Wechseln der Wachen oder Wachabteilungen war nicht möglich. Leider mussten aufgrund der Coronavirus-Pandemie auch die Freizeitaktivitäten, die Berlin normalerweise reichlich zu bieten hat, ausfallen. Besuche in den verschiedenen Abteilungen und Stäben wurden als Online-Videokonferenzen durchgeführt. Hier konnten wir BRefs erste Eindrücke von den Aufgaben und Arbeitsweisen der jeweiligen Abteilungen sammeln. Einige wenige Veranstaltungen konnten auch vor Ort stattfinden, wie der Besuch beim neuen „eLHF“, dem ersten (modernen) im Dienst befindlichen Elektro-Löschfahrzeug Deutschlands. Daneben wurde es uns auch ermöglicht, dem kürzlich geschlossenen Flughafen Tegel, in Hinblick auf den Vorbeugenden Brandschutz und die bald anstehende Umnutzung, einen Besuch abzustatten. Dennoch sind viele Stationen ausgefallen und müssen schnellstmöglich nachgeholt werden – „nach Corona dann”. Wir bleiben gespannt.

 

Wir bedanken uns bei allen Kolleginnen und Kollegen der Berliner Feuerwehr sowie der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH für den spannenden und lehrreichen Abschnitt. Wir wurden stets herzlich und neugierig begrüßt und jede und jeder hatte ein Ohr für uns, ob in der Direktion, der Behördenleitung oder auf den Wachen. Trotz der außergewöhnlichen Umstände wurde das Beste aus der aktuellen Situation unter den Corona-Auflagen gemacht – und dafür möchten wir uns bei jeder und jedem Einzelnen sehr herzlich bedanken.

Christina Heckel – BRef 2020
Brandreferendarin der Berliner Feuerwehr

Sebastian Büchner – BRef 2020
Brandreferendar der Feuerwehr Hamburg

Carsten Mohr – BRef2020
Brandreferendar der Berliner Feuerwehr

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