von Tim Rieß, Berufsfeuerwehr Hannover – BRef 2022/1

Nach einem lehrreichen zentralen Abschnitt an der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg stand ein Novum innerhalb der Ausbildung des höheren feuerwehrtechnischen Dienstes an: Das Gruppenführerpraktikum. Gemäß der ehemaligen Verordnung über die Ausbildung und Prüfung war bisher vorgesehen, dass die Gruppen- und Zugführerausbildung in Kombination stattfindet. In der seit 2022 gültigen Fassung der APVO wurde dieser Umstand jedoch geändert, so dass nun ein Gruppenführerpraktikum stattfindet und der Zugführerlehrgang mit dem Verbandsführerlehrgang kombiniert wurde, was uns zum ersten Jahrgang macht, der in dieser Form das Praktikum erleben darf. So zog es uns aus der Regensburger Feuerwehrschule in die verschiedensten Berufsfeuerwehren Deutschlands. Mein Praktikum durfte ich dabei in meiner eigenen Heimatdienststelle, der Berufsfeuerwehr Hannover, absolvieren. Die Feuerwehr Hannover setzt sich aus der beruflichen Komponente, bestehend aus fünf Wachen mit etwa 830 Beamt*innen, sowie der freiwilligen Komponente, bestehend aus 17 Ortsfeuerwehren mit etwa 760 Kamerad*innen, zusammen. Mein Arbeitsort für die Zeit des Praktikums war die Feuer- und Rettungswache 1 (FRW 1), welche sich zentral im Stadtgebiet gelegen befindet. Neben den Gästezimmern sind an dieser Wache ein Löschzug, zwei RTW, ein NEF, zwei der drei B-Dienste, der A-Dienst sowie diverse Sonderfahrzeuge, darunter der ELW 3, untergebracht. Weiterhin ist die FRW 1 der Standort vieler Sachgebiete der Feuerwehr sowie der Regionsleitstelle Hannover, welche als eine der fünf größten Leitstellen Deutschlands neben der Landeshauptstadt ebenso für die gesamte Region Hannover zuständig ist.

Feuer- und Rettungswache 1 der Feuerwehr Hannover

Im 24-Stunden-Rhythmus konnte ich bei der 1. Wachabteilung zunächst im Angriffstrupp auf dem HLF mitfahren, um die verschiedenen Einsatzkonzepte in der Praxis zu erleben. Nach dieser Einweisung konnte ich schnell als Fahrzeugführer eigenständig Verantwortung in Einsätzen übernehmen und lernte erste Entscheidungen im Einsatzdienst zu treffen. Besondere Einsatz-Highlights entstanden durch die Möglichkeit zu größeren Einsatzlagen auf dem ELW 3 mitzufahren. Diese Möglichkeit brachte mich während des achtwöchigen Abschnittes zu einem Großbrand eines Autoverwerters, sowie zu einem Trafobrand mit anschließendem Stromausfall in einem Kinderkrankenhaus. Vor Ort konnte durch verschiedene Tätigkeiten, wie beispielsweise kleinere Erkundungsaufträge, dem Erstellen einer Kräfteübersicht und Lagekarte oder der Einrichtung eines Bereitstellungsraumes, sinnvoll die Einsatzleitung unterstützt werden. Es waren aber nicht nur die Großschadenslagen, die lehrreich waren, sondern vor allem auch die kleineren, alltäglichen Einsätze. Mit Fragestellungen wie „Wo stelle ich das Fahrzeug auf?“, „Benötige ich weitere Kräfte an der Einsatzstelle?“, „Wo stelle ich die Drehleiter auf?“ konnten an verschiedenen Stellen unterschiedliche Optionen abgewogen und Entscheidungen getroffen werden. Gegen Ende des Praktikums hatte ich die Möglichkeit durch erste Tätigkeiten als C-Dienst meine Kenntnisse auf die Ressourcenplanung eines Löschzuges zu erweitern.

Aufbau einer Ersatzstromversorgung im Einsatz am Krankenhaus

Außerhalb des Einsatzdienstes hatte ich die Möglichkeit der Wachabteilungsleitung bei der Planung des Dienstes über die Schulter zu schauen und eigenständig im Berichtswesen mitzuwirken. Ebenso war es möglich durch eine Projektarbeit den Energiekrisenstab zu unterstützen, welcher eigens für eine mögliche Gasmangellage eingerichtet wurde, und gleichzeitig den rückwärtigen Bereich der Feuerwehr kennenzulernen. Daraus ergaben sich weiterhin viele spannende Einblicke in den Alltag der Feuerwehr Hannover, angefangen bei der Mitarbeit im Pressedienst bei einem Gartenlaubenbrand mit vermisster Person, über eine kurze Hospitation auf der Leitstelle, die regelmäßige Teilnahme an Dienstbesprechungen der Fachbereichsleitung, Workshops zu verschiedensten Themen, einem Einblick in die Sitzung des Haushaltsausschusses bis zur Teilnahme an einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) Niedersachsen. Hierbei war ein besonderes Highlight die Möglichkeit an zwei Tagen als Mitglied einer angeforderten Führungsunterstützungs-Einheit im Landkreis Gifhorn bei der Abarbeitung eines Unfalls zwischen zwei Zügen, bei dem vier mit je 50 Tonnen verflüssigtem Propan beladene Wagons umgestürzt waren, zu unterstützen. Die Aufgabe lag dabei darin, das einsatzleitende Gemeindebrandmeister-Duo in der Aufbauphase der Stabsarbeit zu unterstützen. Dabei konnten spannende Einblicke in die Abarbeitung und den Koordinierungsaufwand einer Lage, die man sonst fast nur von der Planübungsplatte kennt, gewonnen werden.

Zusammenstoß zweier Züge in Gifhorn

Abschließend kann resümiert werden, dass das Praktikum in vielerlei Hinsicht ein Erfolg war. Nicht nur konnten wichtige erste Führungserfahrungen im Einsatzdienst auf verschiedensten Ebenen gesammelt werden, sondern durch die gute Einbindung in den Wachalltag um den Einsatzdienst herum, die kurze Hospitation auf der Leitstelle sowie einer Samstag-Nachtschicht auf dem Rettungswagen vor allem auch ein kleiner Eindruck von der Vielfalt und Spannung aber auch von den Belastungen und Problemen der Kolleg*innen vermittelt werden. Ich bedanke mich herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen für ihre Offenheit, das entgegengebrachte Vertrauen und das tolle Miteinander, die den Abschnitt wirklich schön und lehrreich gemacht haben!

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